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In der Spur bleiben
Wer im Winter auf die Nase fällt, hatte wohl die falschen Schuhe an. Winterreifen geben Autos den nötigen Grip bei Eis, Schnee und Matsch.
Schuhe kauft man online bei Zalando oder im Laden um die Ecke. Aber Winterreifen? In verschiedenen Shops im Internet kann man sich zwar über das Angebot und die Testergebnisse informieren – die Beschreibung der Reifen jedoch sind zumeist Werbetexte des Herstellers. Zudem enthalten die Preisangaben nur in Ausnahmefällen die Montagekosten und die Entsorgung der Altreifen. Vorsicht geboten ist auch bei einer eventuellen Rückgabe. Bei Kompletträdern gilt das Widerrufsrecht nicht, weil es sich um eine Maßanfertigung handelt. Passt die Rad-Reifen-Kombination nicht, dann bleibt man auf den Kosten sitzen.
Daher lohnt es sich auf jeden Fall, ein Angebot einer Fachwerkstatt einzuholen. Die beraten fachmännisch und wissen, welcher Reifen aufs Auto passt. Beim Endpreis sind sie häufig auch günstiger.
Wechselintervalle
Die Faustregel sagt von O bis O – also von Oktober bis Ostern. Im Oktober sinken die Temperaturen fast im ganzen Bundesgebiet auf unter zehn Grad Celsius. Schnell ist der Gefrierpunkt erreicht und die Haftung von Sommerreifen verschlechtert sich in diesem Temperaturbereich bereits erheblich.
Was ein Winterreifen ist, lässt der Gesetzgeber offen. M+S-Reifen (M+S steht für Matsch und Schnee) sagen nichts über die Wintertauglichkeit aus. M+S-Reifen können Winter- und Ganzjahresreifen (sogenannte Allwetterreifen) sein. Es gibt sogar Sommerreifen asiatischer Herkunft mit M+S-Kennzeichnung. Schon mehr Aussagekraft hat nach Expertenmeinung das Schneeflockensymbol („Snow Flake“) der US-Reifenindustrie, das an einen Traktionstest gekoppelt ist.
Gesetzeslage
Seit Ende 2010 gibt es in Deutschland eine sogenannte Winterreifenpflicht. Die neue Regelung ist eine Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO), nach der M+S-Reifen Pflicht bei Glatteis, Schneematsch, Schnee- oder Reifglätte sind. Vorgeschrieben sind Winterreifen demnach nur bei entsprechend schlechten Straßenverhältnissen. M+S-Reifen sind mit einem Symbol auf der Seitenfläche gekennzeichnet. Der Begriff „Winterreifen“ taucht in der StVO jedoch nicht auf. Eine Winterreifenpflicht für einen bestimmten Zeitraum legt die StVO auch nicht fest.
Wer bei winterlichen Straßenbedingungen mit Sommerreifen unterwegs ist, muss künftig 40 Euro Bußgeld zahlen, statt wie bisher 20 Euro. Bei einer Behinderung des Straßenverkehrs und der anderen Verkehrsteilnehmer werden sogar 80 Euro plus ein Punkt in Flensburg fällig.
Richtig teuer wird es bei einem Unfall mit nicht saisongemäßer Bereifung. Viele Versicherungen verweigern dann die vollständige Haftung. Zahlreiche Rechtsurteile sind deutlich: Ereignet sich ein Verkehrsunfall, bei dem ein mit Sommerreifen ausgestattetes Fahrzeug beteiligt war, ist in jedem Fall von einer Mitverschuldung, unter Umständen sogar von grober Fahrlässigkeit auszugehen. So urteilte das Amtsgericht Trier: „Wird das mit Sommerreifen ausgestattete, bevorrechtigte Kfz im Winter auf verschneiter Straße behindert und kommt es aufgrund eines Bremsvorganges ins Schleudern, ist eine Mitverursacherquote von 20 Prozent anzunehmen.“ (AG Trier, AZ: 6 C 220/85)
Sicherheit geht vor
Ein Winterreifen hat bei sommerlichen Temperaturen (20 Grad) einen längeren Bremsweg als ein Sommerreifen. Das kehrt sich aber bei niedrigen Temperaturen um den Gefrierpunkt (siehe Grafik) um. Der Reifenhersteller Continental hat gemessen, dass ein Auto mit Sommerreifen auf schneebedeckter Straße mit 50 Sachen einen doppelt so langen Bremsweg benötigt, als mit Winterbereifung. Auch auf trockener Straße ist bei niedrigen Temperaturen der Bremsweg deutlich länger.
Großen Einfluss auf den Bremsweg hat das Reifenprofil. Vor allem bei Matsch und Schnee ist ein tiefes Profil erforderlich, denn nur dann greift der Reifen richtig. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt auch für Winterreifen 1,6 Millimeter. Autozeitschriften und Experten empfehlen aber aus Sicherheitsgründen mindestens vier Millimeter. Auch das Reifenalter spielt eine Rolle. Nach spätestens sechs Jahren ist die Gummimischung so hart geworden, dass der Grip bei tiefen Temperaturen nachlässt.
Merkmale
Eine der Besonderheiten eines Winterreifens ist sein spezielles Profil. Was auf den ersten Blick nur wie eine zufällige Kombination aus Stollen und breiten Rillen aussieht, ist in Wirklichkeit eine wohldurchdachte Konstruktion, die viele physikalische Phänomene auf Eis und Schnee berücksichtigt. Die Lauffläche der Winterreifen ist von vielen tiefen, scharfkantigen Rillen durchzogen, die die Reibung zwischen Reifen und Untergrund erhöhen. Die Rillen sind dabei auffallend breit, damit sie nicht durch Schneematsch verstopft werden können. Einen zusätzlichen Effekt erzielen die dünnen Lamellen, die in die Profilblöcke der Winterreifen integriert sind. Sie verformen sich beim Fahren und sorgen dadurch für eine noch bessere Haftreibung und somit eine sicherere Kraftübertragung auf die Straße. Dieser Grip erhöht die Spurstabilität und hindert die Reifen am Durchdrehen.
Der zweite markante Unterschied zu Sommerreifen ist die spezielle Gummimischung. Das Gummi eines Winterreifens ist deutlich weicher, um bei den niedrigen Temperaturen im Winter dennoch die erforderliche Bodenhaftung zu haben. Denn durch die Kälte (bei weniger als sieben Grad Celsius) wird das Gummi der Reifen härter – der Winterreifen erreicht dann die optimale Elastizität, der Sommerreifen hingegen wird viel zu hart, um eine gute Kraftübertragung auf die Straße zu ermöglichen. Das Besondere an der Gummimischung von Winterreifen ist der hohe Anteil an Kautschuk beziehungsweise Silica. Dadurch erhält der Reifen gute thermoelastische Eigenschaften bei niedrigen Temperaturen. Silica ist ein synthetisch hergestelltes Siliziumdioxid (SiO2), das in der modernen Autoreifenherstellung immer häufiger den Naturkautschuk ersetzt.
Wichtig: das Schneeflockensymbol





